Wettkampf und Campingurlaub – Alles erlaubt beim Havelberge Lauf

“Mensch Schatzi, wie Klasse, hier gibt es sogar einen Wettkampf während wir hier sind, den Havelberge Lauf” Ist DAS nicht toll”?

Schatzi: ” … ja, super”

Zu dem “Ja super” denkt Euch jetzt einfach einen Smiley mit rollenden Augen, aber wenn ein spannender Lauf auf diese Weise seinen Weg zu mir findet, bzw. ich den Weg zu so einem Lauf, dann ist das eben Schicksal, da kann man gar nichts gegen machen und letztendlich hat Schatzi das auch eingesehen und mir viel Glück und Erfolg gewünscht. Außerdem sind meine Jungs auch mitgelaufen, wenn auch nur die 1 Km Strecke und nicht die 10 Km. Aber alles der Reinfolge nach…

Wir campen gerne und erst recht an der Mecklenburgischen Seenplatte. Das ist von uns (Großraum Hamburg) knapp 250 Kilometer entfernt und es ist erstaunlich wie anders dort die Natur ist. Um einiges urwüchsiger und einfach wunderschön. Alle Seen sind miteinander durch Wasserstraßen verbunden, so dass man regelrechte Touren auf dem Wasser machen kann. Dazu kann man überall Kanus, Motorboote oder Flöße mieten.
Campingplätze gibt es reichlich, genau so wie sehr gut gepflasterte Wander- und Fahradwege mitten durch die Walachei. Oft am Rande eines Waldes, innmitten von Feldern und Seen.
Wer also auch im Urlaub gerne laufen möchte und nicht eh schon in einer traumhaften Umgebung wohnt, wird hier ein regelrechtes Eldorado des Laufens finden. So wie in der kleinen Gallerie geht das dort Kilometer um Kilometer…

Havelberge Lauf – Anders aber schön, auch für Kinder

Der Havelberge Lauf ist eine mehr oder weniger offizielle Veranstaltung. Über die Campingplatzbewohner hinaus, können sich auch andere Läufer anmelden. In einem benachbarten Städtchen ist eine Sportuni und von dort kommen auch einige Teilnehmer. Ehrlich gesagt stellen die auch seit Jahren die Sieger… Klingt ein bisschen unfair, aber so what, so bekommt das Ganze eben ein bisschen ambitioniertes Flair.

Auch die Altersklassen sind ein wenig skuril. Weil abends direkt auf dem Campingplatz auf der Animationsbühne die ersten Drei Plazierungen aller Läufe und Altersklassen präsentiert werden, haben die das ein bisschen gestutzt, damit das “Nicht länger dauert als der Lauf selber”
So gibt es über die Hauptdistanzen (5Km und 10Km) folgende Aufteilung der Altersklassen:
16 – 19 Jahre, 20 – 34 Jahre, 35 – 50 Jahre, ab 50 Jahre.

Für die Kinder gab es noch die Unterdistanzen 500m und 1 Km und dort wurde auch etwas altersgerechter gestaffelt, nämlich:
bis 9 Jahre, 10-12 Jahre und 13-15 Jahre.
Ist halt alles etwas urlaubs- und weniger Bestzeitorientiert und das finde ich auch gut so…
auch wenn mein Lütter mit seinen 5 Jahren in der Altersklasse “bis 6” besser aufgehoben gewesen wäre 😉

Meine Jungs haben die 1 Km Strecke bewältigt und Start und Zieleinlauf möchte ich hier nicht vorenthalten:

Camping Havelberge from Markus Staudt on Vimeo.

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Immer munter rauf und runter – Der Wettkampf

…So, nu aber zu den Großen 🙂
Man konnte sich für 5Km oder 10Km melden. Da ich eh gerade in der Vorbereitung für einen Halbmarathon stecke und eine Woche vorher noch einen 10er laufe (https://www.alsterlauf-hamburg.de/) , habe ich mich für die 10 Km Distanz entschieden, sozusagen als Test…

…und dann kam die Streckenführung mit einigen Höhenmetern zu viel für mich Flachländer…

…Aber wieder von Anfang an. Ich hatte das Glück Bharti zu treffen. Einen mir bekannten Foristen aus meiner Läufercommunity bei Runner’s World. Den hatte ich schon im letzten Jahr kennengelernt, auf dem selben Campingplatz und wir haben den Lauf auch zusammen angetreten. Bharti ist eine Ecke schneller als ich und neigt dann noch zu dem gleichen Fehler, den ich immer mache bei Wettkämpfen: Zu schnell loslaufen… Geplant hatten wir eine Durchgangspace von 4:15 bis 4:20 und gleich der erste Kilometer ging mit 4:01 weg. Ab hier schreibe ich – wie immer bei Laufberichten- im Präsens weiter.
“Wir sind zu schnell” – “Stimmt, das können wir nicht halten”
Ihr seht, wir sind uns beide einig und darum läuft der zweite Kilometer mit 4:06 auch VIEEEL langsamer…
“Wir sind zu schnell” – “Stimmt, das können wir nicht halten”
Eine Art Deja Vu…. und das deutliche Gefühl, dass ich mich gerade übernommen habe. Mittlerweile haben wir einen sanften Anstieg hinter uns, eine wilde Fahrt bergab über einen Schotterweg im Wald, sowie einen einigermaßen ebenen Kilometer auf einem Wanderweg (Siehe Gallerie). Die ganze Zeit haben wir einen etwas jüngeren Läufer vor uns, unschwer zu erkennen an dem leuchtend blauen Outfit mit orangen Kompressionsstrümpfen und einem blonden Haarbüschel auf dem Kopf. An den hänge ich mich nun ran. Bei Kilometer 3 etwa lasse ich Bharti ziehen, weil ich merke, dass ich Gas rausnehmen muss oder verglühe. Der dritte Kilomter ist mit 4:12 im Soll, der Vierte mit 4:23 schon etwas zu langsam und das Rennen hat noch nicht mal seine Tücken offenbart…
Jetzt wird es das erste mal gemein, wir nähern uns wieder dem Campingplatz, drehen aber nochmal nach links ab zum See. Dort geht es wieder über Sand und Schotter zum Bootsverleih und dann das Ganze gleich wieder zurück.
JETZT kommt der erste Hammer… es geht bergauf zum Start… und wie ! 10% Steigung, davon die erste Hälfte auf Sandweg, dann kurz etwas weniger steil, scharfe Linkskurve und wieder rauf, rauf, rauf direkt zum Start. Mein Puls geht ab wie Schmidts Katze und als ich kurz vor der Ziellinie bin, höre ich, wie der Sieger der 5 Kilometer Distanz ausgerufen wird… Ja, richtig gelesen, alle ambitionierten Läufer haben sich für die 10Km Distanz gemeldet, alle,die sich nicht so viel zugetraut haben, offenbar für die 5Km.
Mein Puls ist bei über 180… nach der Hälfte des Rennens und in diesem Moment denke ich “Och Mensch, jetzt im Ziel wäre echt schön und ich hätte sogar gewonnen” Und das, obwohl der Hügel mich aufgefressen hat. 4:43 sprechen eine deutliche Sprache…

Ich muss aber noch eine Runde, Scheiße… also weiter… irgendwie… mit diesem irren Puls. Tempo raus, unbedingt, eine kurze Regeneration ist notwendig und tatsächlich benötige ich den kompletten sechsten Kilometer um wieder klar zu kommen. Trotzdem ist es mir komischerweise gelungen wieder leicht Fahrt aufzunehmen, obwohl 4:28 immer noch zu langsam sind für das gesteckte Ziel. Der Hügel… oh Gott, ich muss da noch mal hoch am Ende und das ist noch 4 km weit weg… Scheiße, ich hab Urlaub verdammt, bin ich eigentlich IRRE ??? (Schatzi meldet sich in meinem Unterbewustsein und Ihr Lächeln ist wirklich nur ganz wenig gehässig… )

Bharti ist immer noch in Sichtweite, vielleicht 100m vor mir.
Aber der Typ mit den orangen Socken… DER ist direkt vor mir und er hört mich, da bin ich sicher. Ich habe bei der Besten gelernt, bei Laufmuddi. die ist auch eine Bekannte aus dem Runner’s World Forum und mit ihr hatte ich schon mal einen 10Km Lauf absolviert, bei der ich Hase gespielt habe, um Ihr zu Ihrer Bestzeit zu verhelfen. Da hatte ich mich noch köstlich über ihr lautes Geschnaufe amüsiert und ihr einen veritablen Ventilschaden attestiert.
Diesen Ventilschaden habe ich nun exakt kiopiert und sogar noch verfeinert. Ich schnaufe wie “Emma” die Lok von Lukas.

Immer wieder merke ich, wie Orangesocke leicht anzieht und immer wieder sauge ich mich ran während ich gleichzeitig denke, ich sollte einfach abreißen lassen. Aber dann merke ich, dass seine Antritte auch nur halbherzig sind und ich mutmaße, das auch er am Limit läuft und einfach nur genervt ist von meiner Atmung, mit der ich mittlerweile jedes Rotwild im Umkreis von 3Km vertreiben dürfte und es wird immer noch lauter. Der Typ denkt bestimmt, dass ich gleich tot umfalle… Vielleicht hofft er es sogar…
Wir bringen zusammen die Kilometer 7-9 hinter uns und die sind mit 4:14, 4:26 und 4:24 sogar einigermaßen flott. Zu diesem Zeitpunkt atme ich so stark, dass sich die Gräser am Wegesrand beim einatmen deutlich zu mir hinbiegen, während sie beim ausatmen wild zur Seite stieben.
Ich habe schon längst beschlossen, dass WENN ich Orangesocke einsacken könnte… ich es nicht tun würde. Gejagter zu sein ist undankbar und ich hätte ihm in jedem Fall den Vortritt gelassen, schließlich geht es ja auch um Null Komma nichts.
So ritterlich wie dieser Gedanke auch anmuten mag, so unnütz ist er allerdings, denn es kommt nun endlich der Campingplatz in Reichweite, wieder der Schwenk ans Ufer, wieder der Schotter und das bricht mir das Genick. Ich kann ums Verrecken nicht mehr schneller und Orangesocke zieht weg. Während ich das noch irgendwie bedaure, überholt mich noch jemand, der die ganze Zeit hinter mir gelauert hat. Von Ritterlichkeit keine Spur, der zieht vorbei 🙂
Jetzt kommt er… der Hügel.. Oh Gott Leute, meine Beine brennen. Ich habe das Gefühl ich stehe. Am Wegesrand ein Schild “Noch 50 Meter, klatschen ist auch anstrengend”, ich sehe den roten Zielbogen, Bharti ist längst da, vielleicht eine Minute vor mir, Orangesocke läuft durch, mein unritterlicher Verfolger und dann endlich…. ICH.

BOAH, wat ne Qulerei !!

Aber sooooo GEIL ! 🙂

Hier seht Ihr Start und Zieleinlauf. Orangesocke ist dabei und der schwarze Raubritter…

Camping Havelberge from Markus Staudt on Vimeo.

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Am Ende sieht man noch, wie zu Orangesocke gehe und ihm gratuliere. Wir haben uns super nett unterhalten und JAAAA… er hat mich atmen gehört und JAAAA, er dachte ständig “Jetzt hab ich ihn” und es hat ihn fuchsig gemacht, dass er mich nicht losgeworden ist, Hahaha, genau wie ich es vermutet hatte. Er hat mir aber auch gratuliert. Mit so einer Schnappatmung so weit zu kommen hat ihn beeindruckt. Vor allem ging es auch ihm so wie mir: Ich war schneller als ich ohne ihn gewesen wäre und er war schneller als er ohne mich gewesen wäre. So muss das!

Ach Mensch… Die Zielzeit… fast vergesen, weil unwichtig: 43:12

 

markus

markus

Wenn er nichts Besseres zu tun hat, geht er laufen, theoretisch also quasi immer. Nun hat er zwar praktisch kaum was Besseres zu tun, dummerweise aber verdammt viel Wichtigeres, so dass sich das Laufen auf 3x Wöchentlich und ca. 40km beschränkt...
markus
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