Team DDB Hamburg

Wie soll man einen Laufbericht über einen Wettkampf schreiben, der gar keiner ist ?

Der HSH Nordbank Run 2016 war für mich auf jeden Fall eine gänzlich neue Erfahrung.

Ich laufe seit  5 Jahren über meine Firma beim Mopo Staffellauf mit. Das wird alles von der HR Abteilung meiner Firma organisiert… Anmeldung, Teamshirts, Verpflegung…absolut genial, (danke dafür mal an dieser Stelle) und so fragten die Damen dieses Jahr auch nach Teilnehmern für den HSH Nordbank Run 2016.

Laufen? Hier, ich ! Sofort gemeldet und genau wie beim Mopo Lauf um nix mehr gekümmert. Ich hatte also überhaupt keine Ahnung was mich erwartet, mir von (m)einem guten Bekannten aus meinem Laufforum einen kurzen, knackigen Trainingsplan erstellen lassen und drauflos trainiert für einen 4km Wettkampf….

Irgendwann, Wochen später habe ich dann so langsam mitbekommen was das eigentlich für eine Veranstaltung ist, so von wegen gar keine Zeitnahme, reiner Sponsorlauf, keine wirkliche Rennstrecke…. Also eigentlich eine reine Spaßveranstaltung für einen guten Zweck:

http://www.abendblatt.de/video/article207700339/HSH-Nordbank-Run-2016.html

 

Soweit so gut, aber am Tag der Veranstaltung war ich dann doch überrascht WIE wenig, das Ganze mit einer Rennveranstaltung zu tun hatte…

Unser Team war Abends dran. Der Start sollte gegen 17:10 erfolgen und es war immer noch sehr voll. Wir ordneten uns im Startbereich ein und wurden zunächst einmal für ein Gruppenfoto vorbereitet. Das bedeutete, dass wir in dem Bereich, in dem die Fotos gemacht wurden warten mussten bis unsere Team Startnummer aufgerufen wurde.

Aufgerufen wurden wir durch einen 80er Jahre Bodybuilder, im stilechten Tanktop (Tieeef ausgeschnitten, mit Links und rechts rausschauenden Brustwarzen), der über ein Megaphon in die Menge brüllte: “TEAM 71, ETWAS SCHNELLER BITTE” Man muss sich die Schrift jetzt durchaus blechern und verzerrt vorstellen…. Irre… Aber ok, der arme Kerl musste das wohl schon den ganzen Tag machen und bei über 800 teilnehmenden Teams, kann ich gewisse Abnutzungserscheinungen im sozialen Habitus durchaus verstehen, vor allem, weil nicht alle Teams rechtzeitig zum anbrüllen bereit standen und er wiederholte Male nachfragen musste, ob etwaige Nachzügler inzwischen vielleicht doch da wären…

Wir waren auf jeden Fall da, das Foto wurde gemacht und weiter ging’s in Richtung Start.

Das Ganze hatte etwas surreales, ähnlich einem ganzen Haufen Rinder, die langsam aber unausweichlich in Richtung Fleischwolf gelockt und geschoben werden. Jedes einzelne Team wurde im Startbereich durch einen Sprecher angekündigt und kurz vorgestellt. Vor uns waren noch reichlich Andere, so dass noch genug Zeit blieb, die Szenerie auf uns wirken zu lassen….

…Man stelle sich das also mal vor: Der Sprecher nannte den Firmennamen jedes Teams, machte ein paar wirklich nette und auch witzige Worte und jagte sie auf die Strecke… Nur dass diese Worte keinen interessiert haben, geschweige denn von mehr als den direkt dahinter Startenden gehört wurde…. Im Zuschauerbereich war kaum (mehr) jemand und die Mikrofonanlage war auch so schwach brüstig, dass das Gesagte eh nur im Umkreis von 15m wahrnehmbar war.Den Sinn dahinter mag mir ein Anderer erklären, mir ist er verborgen geblieben und ich arbeite sogar in der Werbung. Aber gut, nett war es ja trotzdem und der Sprecher kann sich ab jetzt damit brüsten, mal an einem Tag über 800 Team- Namen vorgelesen zu haben. Friede seinen Stimmbändern.

Einige Minuten vor uns startete eine Truppe der Hamburger Feuerwehr. In voller Brandschutzmontur, mit Helm und Sauerstoffgerät. Das machte Eindruck und sie bekamen als Einzige starken Applaus beim Start und zwar von uns anderen Teams und den Zuschauern im Startbereich.

Klar, unsere Jungs von der Feurwehr haben das auch mal verdient, ob nun mit oder ohne Helm! Meinen Respekt haben sie auf jeden Fall auch 🙂

abendblatt.de - HSH Nordbank Run 2016 - 524
abendblatt.de - HSH Nordbank Run 2016 - 524
Team Feuerwehr
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So, jetzt kamen wir! Kurze Vorstellung vom Sprecher und los….

Es ist ja nun so, dass mir an diesem Punkt durchaus klar war, dass dieser “Wettkampf” eben genau das NICHT war, aber ein Kollege und Laufpartner von mir und ich hatten vorher schon beschlossen, dass wir trotzdem versuchen wollten mit Vollgas durchzukommen, einfach so aus Bock am Laufen.

Vom Start weg, waren wir also sozusagen weg.

Oh Mann, gleich nach den ersten hundert Metern bereits eine Art Engpass, der mit Flatterband auf ca. 2,50m beschränkt war. vor uns eine große Herde Teamläufer in hellblauen shirts. Mindestens 50 Personen im Nordic Walking Tempo, das kann ja was werden. Vorbei ging nicht, Bodychecks oder Bein stellen als zielführende Maßnahme kam auch nicht in Frage, also eingereiht und mit den Hufen gescharrt bis wir verlustfrei überholen konnten…

…Endlich vorbei und GAS. Nächste Biegung, nächste Verwunderung: Rauf auf den Bürgersteig und mitten durch eine Fußgängerzone… Das als Absperrung gedachte Flatterband hielt viele Passanten nicht davon ab mitten auf der Strecke zu stehen.

Zusammen mit Nordic Walkerinnen, Vätern, die mit ihrem Nachwuchs auf den Schultern auf dem Kurs waren, Läufern mit Hunden an der Leine, Müttern mit Babyjoggern,  kompletten Schulklassen samt Lehrerinneneskorte, Großfamilien aus drei Generationen sowie einer Streckenführung die auch vor Kehrtwenden, Treppen und Baustellen nicht halt machte,  stellte einen das immer wieder vor neue Herausforderungen.

Nicht falsch verstehen, das war nicht nervig, denn ich hatte meinen Frieden damit gemacht, dass WIR es waren, die hier auf dem Holzweg liefen und keineswegs die bunte Schar gut gelaunter Menschen, aber es juckte mich einfach durch und durch, den Umständen entsprechend trotzdem alles zu geben was der Lauf hergab, denn immerhin hatte ich für diesen Tag trainiert ^^

Was soll ich also sagen… wir kamen trotz der Umstände mit einer Durchschnittspace von 4:05 durch diesen Hindernisparcours und das ohne irgend wen zu verärgern (Zumindest nicht auf eine Weise, dass wir es mitbekommen hätten)

Im Ziel warteten wir noch auf unsere anderen Teammitglieder (Auch wir hatten einen Läufer mit Hund dabei) Durch die Bank stressfrei und bestens gelaunt kamen so nach und nach auch Alle ins Ziel. Ich glaube mein Kollege und ich waren die einzigen beiden Idioten, die völlig außer Puste waren im Ziel. Ich bin mir ziemlich sicher, dass da so EINIGE gedacht haben, was denn da wohl für zwei merkwürdige Vögel unterwegs sind, die offenbar den Schuss nicht gehört haben… oder anders, einen Schuss gehört haben, wo gar keiner war.

Egal, ich würde es immer wieder so machen und die Feuerwehrjungs haben wir ca. bei Kilometer drei auch gestellt. Der Applaus den wir beim Überholen hörten, galt indes weiterhin ihnen… und er sei ihnen von Herzen gegönnt 🙂

 

markus

markus

Wenn er nichts Besseres zu tun hat, geht er laufen, theoretisch also quasi immer. Nun hat er zwar praktisch kaum was Besseres zu tun, dummerweise aber verdammt viel Wichtigeres, so dass sich das Laufen auf 3x Wöchentlich und ca. 40km beschränkt...
markus

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