Der Köhlbrandbrückenlauf 2016 – Sightseeing in Sandalen im Oktober

Als Saisonabschluss habe ich nun auch noch beim Köhlbrandbrückenlauf 2016 teilgenommen. Gemeldet war ich hierfür schon seit dem Frühjahr und ebenso lange war auch klar, dass ich bei diesem Lauf nicht auf Bestzeitenjagd gehen würde.
Denn mal ehrlich, wenn man schon zu Fuß auf die Hängebrücke mit der höchsten Durchfahrtshöhe Deutschlands darf (53m – Die Pylone sind 135m hoch und bringen es nur auf Platz 2),  dann doch bitte auch mit Blick für die Umgebung und nicht mitten im Läufertunnel darüber hetzen ohne irgendwas mitzubekommen. Unter normalen Umständen ist die Brücke nämlich für Fußgänger gesperrt und mit dem Auto eben mal kurz für ein paar schöne Fotos anhalten, ist ebenfalls nicht erlaubt.

Und da also klar war, dass ich nicht auf der allerletzten Rille laufen würde, hatte ich mir im Laufe des Sommers schon in den Kopf gesetzt, das Rennen in Huaraches Sandalen anzutreten.
Trainieren tue ich schon länger damit, aber einen Wettkampf hatte ich damit noch nicht bestritten.

Erwartungsgemäß fiel ich damit auch auf. Bereits im Vorfeld der Startaufstellung wurde ich mehrfach angesprochen. An Läufer in Five Finger Schuhen hat man sich mittlerweile gewöhnt, aber Sandalen die wie FlipFlops anmuten…. sind optisch einfach noch weiter weg von Schuhwerk, dass zum Laufen taugt. (“Äh, entschuldigung, aber ich MUSS das fragen: DAMIT kann man laufen ???”)

Ja kann man! sogar ziemlich gut, aber dazu später mehr…

Köhlbrandbrückenlauf mit Huaraches
Köhlbrandbrückenlauf mit Huaraches

Das Wetter hat auf jeden Fall mitgespielt. Trocken im Oktober ist alles was man sich wünschen kann, dass es sogar noch regelrecht freundlich wurde, habe ich dabei gerne mitgenommen. Die beliebte 12:00 Startzeit hat gut gepasst. Morgens um 9:00 war es noch empfindlich kühl und neblig und 15:00 wäre mir irgendwie zu spät gewesen an einem Sonntag, schließlich war Schwiegermutter zu Besuch und dann gibts immer lecker Kuchen zum Nachmittag, den wollte ich nicht verpassen. Auf KEINEN Fall !

Gut eine halbe Stunde vor dem Start habe ich noch einen guten Bekannten getroffen, mit dem ich gerne mal eine Runde um die Alster drehe in der Mittagspause. Er sah, wie ich mich gerade vergeblich damit abmühte den Championchip an meinen Sandalen zu befestigen (Mist, die Dinger haben keine Schnürsenkel!) und hatte sogleich Mitleid mit mir. Er lieh mir sein Chip Klettband (Danke emel!)

In der Startaufstellung noch jemanden aus unserer gemeinsamen Community getroffen (Hallo Klausi!) und dann gings auch schon los….

Startaufstellung nach vorne - Köhlbrandbrückenlauf
Startaufstellung nach vorne – Köhlbrandbrückenlauf
Startaufstellung nach hinten - Köhlbrandbrückenlauf
Startaufstellung nach hinten – Köhlbrandbrückenlauf

 

…Laufbericht wie immer im Präsens

Es ist durchaus ein angenehmes Gefühl, einen Lauf mal mit der Gewissheit zu starten, dass man nicht vorhat sich die Lunge aus dem Leib zu rennen. Der erste Kilometer läuft eh noch etwas zäh, da wenig Platz ist für die Masse an Läufern.

Pitsch, Patsch, Pitsch, Patsch…. die Sandalen sind aus recht hartem Gummi und machen entsprechende Geräusche. Trotz großer Sorgfalt beim Fußausatz gelingt es mir nicht die Geräusche zu unterbinden. Immer wieder drehen sich Läufer um, offenbar darüber verwundert, dass auch ein Taucher mit Flossen teilnimmt….

Nach einem Kilometer nehme ich langsam Fahrt auf. Es läuft gut und mein Abstand zu emel vergrößert sich (Hinterher wird auch er mir erzählen, dass es auch in seiner Nähe einige Verwunderung ob meiner Schuhbekleidung gab). Die Pace pegelt sich irgendwo bei 4:30 ein… das ist zügig aber nicht zerstörerisch und dann geht es auch schon langsam bergan…

Ein tolles Gefühl! Der Berg ruft für Hamburger Verhältnisse ziemlich laut und hoch gehts…

 

 

Die laaaaange Steigung fordert ein etwas moderateres Tempo. Vor mir läuft jemand mit Five Fingers Schuhen (Auch auf dem Bild hier oben zu sehen, der in rot) Der ist viel lautloser als ich und taktisch auch erfahrener. Denn an der Steigung habe ich ihn zurückgelassen und sobald es jetzt wieder bergab geht, überholt er mich zügig und lässt laufen…
In Sandalen zu laufen ist etwas, dass man trainieren muss. Sprunggelenke, Waden und Fußgewölbe sind schon anderen Belastungen ausgesetzt. Das habe ich auch getan, nur nicht viel bergab und ich merke meine Knöchel so langsam. Ich muss die richtige Mischung finden aus Tempo und nicht zu viel wollen. starkes Bremsen gegen die abwärts geneigte Straße belastet ebenso sehr mehr, wie richtig Gas zu geben… Irgendwo in der Mitte finde ich den Punkt, der sich am “richtigsten” anfühlt und dieser Punkt ist bei dem Kollegen mit den Five Fingers Schuhen deutlich schneller! Cool, da ist also noch Potential vorhanden.

Während ich das so denke, kommt mir auf der anderen Seite der Brücke der schnellste Läufer schon wieder entgegen…. ALTER, ist der IRRE? Ich bin gerade bei 5,5Km und der schon bei knapp 8Km. Tja…. das ist eine Ansicht, die man normalerweise auf einem Wettkampf nicht zu sehen bekommt: Die schnellsten Läufer.

Nun bin ich aber auch unten und 1Km nach der Brücke kommt dann auch die Wende und es geht wieder zurück…. Nur wenige 100m hinter mir sehe ich auch emel wieder, auch er ist gut und vorne mit dabei. Und jetzt geht es die Brücke zum zweiten Mal hinauf…
Nun denke ich das Gleiche wie bei der Sichtung des schnellsten Läufers vor einer Weile, nur anders herum, denn der Hauptpulk des Laufes kommt jetzt erst langsam die Brücke runter. Wahre Massen von Menschen, alle auf einem Haufen. Die gemütliche Leere in der ich zusammen mit einigen Läufern unterwegs bin, ist doch gut einen Kilometer vor dem Haupttross. So langsam bin ich wirklich nicht unterwegs!

Das zweite Mal - Köhlbrandbrückenlauf
Das zweite Mal hinauf – Köhlbrandbrückenlauf

 

Vor mir ist (auch auf dem Foto) wieder der Five Fingers Läufer zu sehen. Wieder hole ich bergan langsam aber sicher auf, bis ich auf gleicher Höhe bin und wieder läuft er mir bergab davon. Es sind jetzt ungefähr 8Km geschafft und ich erinnere mich an mein eigenes Credo für diesen Lauf: Nicht alles was geht!
Es geht um nichts, ich bin gut unterwegs, merke aber langsam meine Sprunggelenke mehr als mir lieb ist. Ich nehme Tempo raus, denn ich möchte endlich mal lächelnd und aufrecht im Ziel ankommen und nicht kämpfend um mein Leben…. Der Kollege mit den Barfußschuhen zieht davon, ich lasse abreißen und werde in dem Zug auch noch von drei- vier anderen Läufern überholt. Irgendwas in mir, will mithalten und kämpfen aber dieses Mal gewinnt die Vernunft und ich grinse stattdessen und genieße die letzten paar Kilometer.
Ich komme mit einer respektablen 53:40 ins Ziel. Das entspricht einer Pace von 4:28. In den bergabpassagen war ich also durchaus nicht langsam unterwegs. Da szu optimieren… darauf freue ich mich schon. Hier kann man die unterschiedliche Pace bergan und bergab gut sehen:

https://runalyze.com/shared/yyog

das Ziel kommt in Sichtweite, mir gehts prima und ich bin stolz darauf, wie gut ich den Lauf mit meinen Sandalen gemeistert habe. Da geht noch mehr, da bin ich ganz sicher und in mir reift die Gewissheit heran, dass das nicht der letzte Wettkampf in den Dingern war, das macht nämlich echt Spaß. Mal sehen wie weit in den Herbst/Winter ich hineinkomme, bevor ich sie für eine Weile ins Schuhregal stellen muss!

Fazit

Das war mein erster Köhlbrandbrückenlauf, aber nicht mein letzter. Die Veranstaltung ist überschaubar, weil es drei Startzeiten gibt. Die Orga ist super, die Location kultig (Containerhafen) und die Strecke sowieso einmalig. Gerade weil die Distanz so zwischen allen Stühlen ist und keine offizielle Wettkampfdistanz, kann ich das Ganze auch ganz ohne Ehrgeiz angehen und einfach als reiner Genussläufer teilnehmen…. OK, sich ein bisschen quälen bereitet mir durchaus auch Genuss 😉

Am Ende haben wir uns alle wieder gefunden und alle sind zufrieden mit ihrem jeweiligen Ergebnis. So muss das !

KlausiHH, emel und Gecko - Köhlbrandbrückenlauf
KlausiHH, emel und Gecko – Köhlbrandbrückenlauf

 

markus

markus

Wenn er nichts Besseres zu tun hat, geht er laufen, theoretisch also quasi immer. Nun hat er zwar praktisch kaum was Besseres zu tun, dummerweise aber verdammt viel Wichtigeres, so dass sich das Laufen auf 3x Wöchentlich und ca. 40km beschränkt...
markus

Ein Kommentar auf “Köhlbrandbrückenlauf 2016 – Mit Huaraches

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