Der Auslöser für meine “Ode an das Laufen”

Ich habe kürzlich -nach drei Jahren Laufen und 5000 Kilometern- etwas für mich persönlich Großartiges geschafft: Ich bin die 5 Kilometer in unter 20 Minuten gelaufen. Danach hatte ich ein solches Hochgefühl, weil mir dieser Mittagspausenlauf auch noch beinahe leicht fiel (und weil nach Tagen endlich mal wieder die Sonne schien), dass ich spontan in meinem Stammforum Folgendes gepostet habe:

Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie gut sich das anfühlt. Diese verdammte Sub20…. Fast zwei Jahre hab ich daran rumgehühnert und dann so ein Kickass geiler Lauf. Hat einfach gepasst heute.
Ich bin unglaublich dankbar, dass ich so gut ins Laufen gekommen bin seit 2014.
Es ist schwer zu beschreiben, was für eine Lebensqualität ich aus dem Laufen ziehe mittlerweile. Laufen hat einen ausgesprochen hohen Stellenwert eingenommen! Gar nicht nur wegen irgendwelcher Bestzeiten, sondern auch -oder eigentlich sogar vor allem– wegen der Ruhe, die sich beim Laufen in mir einstellt.
An guten Tagen fühle ich mich dermaßen lebendig… das ist schon kitschig….. so von wegen eins mit der Natur und so…
Klar, die Bestzeiten und die Jagd darauf sind nochmal ein Kick oben drauf, aber einfach nur Laufen und das Laufen an sich genießen können, ist schon ein echtes Geschenk!
Es ist so trivial… und wahr.

danach hatte ich diesen kleinen, emotionalen und verschriftlichten Ausbruch nochmals gelesen und nochmals… und fing an darüber nachzudenken…

…warum das so ist.

Warum ist Laufen so befriedigend für mich? Warum bemitleide ich jeden Spaziergänger, an dem ich vorbeilaufe? Warum grüße ich Radfahrer, die mir entgegenkommen, denke aber gleichzeitig wie schade es ist, dass die niemals wirklich dahinterkommen werden, worum es geht? Warum gelingt mir die zweite Tageshälfte im Büro (Nach meinem Mittagspausenlauf, egal wie anstrengend der war) viel besser als die Erste? Warum ist ein entspannter Sonntag erst dann wirklich entspannt, wenn ich meine (Sonntags meist längere) Runde gedreht habe? …

Nun, ich bin keine Drama-Queen, insofern fällt die Antwort zunächst einmal unspektakulär aus: … weil es sich einfach richtig anfühlt zu laufen.
Es gibt verschiedene Arten zu laufen: Kurz, lang, gemütlich, zügig, rattenschnell und das Ganze dann noch in Mischformen und je nach Tagesform auch noch in Abstufungen, was die Leichtigkeit anbelangt.
Unabhängig von den eben genannten Adjektiven, steht an dem einem Ende der Skala die echte Knochenarbeit, die ehrliche Überwindung kostet und die man nur leistet, weil das Laufen nun mal auch von einer gewissen Stringenz lebt, so man es denn auch einigermaßen ambitioniert betreibt:
Zum Beispiel wenn man mitten in einem Trainingsplan für einen Wettkampf steckt, dann gibt es zwangsläufig verdammt harte Brocken zu laufen und wenn man dann noch müde/frustriert/kränklich ist… Tja, viel Spaß damit… NICHT.
Oder wenn man sich -ganz ohne Zeitziele und/oder Wettkämpfe- vielleicht einfach nur vorgenommen hat eine bestimmte Kilometerfleistung im Jahr zu absolvieren
Oder sogar, wenn man sich “nur” vorgenommen hat, 3x in der Woche überhaupt irgendwie zu laufen… Immer wird es Läufe geben, auf die man keinen Bock hat.

Aber das andere Ende der Skala… dort stehen die Läufe von denen hier schreiben möchte: Die …

… “Juhu Läufe”

Manchmal hat man einen zu fassen: Einen “Juhu Lauf” . Der ist grundsätzlich ungeplant und der lässt sich auch nicht bewusst herbeiführen. Ein “Juhu Lauf” gibt sich erst mitten in einer Laufeinheit zu erkennen und dann muss man ihn auskosten, ohne wenn und aber….

Ein solcher Lauf zeichnet sich dadurch aus, dass einfach alles passt. Die Beine sind leicht, der Kopf ist leicht, es ist genug Luft vorhanden und ich fange an mich am Laufen zu berauschen. Dabei ist es völlig egal, ob ich das (RIESENGROSSE) Glück habe, genau einen Wettkampf zu erwischen, oder ob es nur ein gemütlicher Trab am Wochenende ist, der sich aus purem Spaß in Tempogebolze verwandelt.
Ich wünschte, ich könnte dieses Gefühl mehrfach wöchentlich, quasi auf Abruf, generieren, aber so funktioniert das nicht. Meine gestrige 5 Kilometer Bestzeit war ein solcher Lauf und das habe ich erst ab dem zweiten Kilometer bemerkt. Ich habe einfach gespürt, dass meine Beine jetzt laufen wollen. Das Geräusch vom “Fahrtwind” gibt mir plötzlich zusätzliche Energie, ich atme zusehends bewusster und heftiger und ich spüre regelrecht, wie der Sauerstoff in mich hineinströmt, sich mit Hilfe der Blutautobahnen verteilt, die schwer arbeitenden Muskeln verorgt… ich fliege an allen anderen Menschen vorbei und spüre mit jedem Schritt eine Großartigkeit, die mir sonst völlig abgeht. Jedes Abstoßen vom Boden, jeder Armschwung… Ich realisiere wie alles ineinander greift und miteinander Vortrieb erzeugt. Es ist einfach… Nun ja… Juhuuuuu!

Wenn dieses Gefühl manchmal bei einem langen, langsamen Lauf am Sonntag Morgen in mir aufsteigt, werde ich automatisch schneller und ich schmeiße dann auch alle Vorsätze oder Pläne über den Haufen. Wenn alles passt, wenn mein Körper das regelrecht einfordert, dann gebe ich dem nur zu gerne nach und laufe um des Laufens Willen

So prosaisch wie das jetzt alles klingen mag, so selten sind solche Läufe auch! Dieser regelrechte Laufrausch  kommt alle paar Wochen mal vor, es gibt einfach zu viele Einflüsse, die einen im Alltag den Zugang zu dieser Leichtigkeit verwehren. Eigentlich also eine magere Ausbeute, könnte man meinen.
Aber genau das sind die Läufe auf die ich immer lauere, die ich mir herbei wünsche und dazu gehören dann eben auch die vielen “normalen” Läufe.

Mir machen selbstverständlich auch diese Läufe Spaß, zumeist auch die harten Einheiten (Zumindest wenn am Ende einer erfolgreichen harten Einheit das Belohnungszentrum im Kleinhirn massiert wird).
Oft genug fühlt sich Laufen normaler an als Gehen oder Sitzen. Oft genug werde ich richtig hibbelig, wenn ich einen Lauf aus diversen Gründen mal nicht wie geplant absolvieren kann aber diese “Juhu Läufe” … also die, die einen wirklich kicken und mir ein Grinsen ins Gesicht nageln, die sind das Suchtmittel, auf welches ich wirklich scharf bin….

Grundlos

Richtige Gründe, im Sinne von Fakten sind das alles nicht. Einen Wissenschaftler könnte ich damit nicht überzeugen.
Faktische und praktische Gründe hat das Ganze Gelaufe natürlich auch…. Fitness, Gesundheit, Optik…. blablabla…. Da hat auch jeder seine eigenen Gründe, die alle individuell leichter oder schwerer wiegen, insofern ist meine Gefühlsduselei (Und damit dieser Beitrag) wohl doch keine Antwort auf die Frage nach dem “Warum”… und damit völlig grundlos.

…Oder es ist DIE Antwort…

 

 

markus

markus

Wenn er nichts Besseres zu tun hat, geht er laufen, theoretisch also quasi immer. Nun hat er zwar praktisch kaum was Besseres zu tun, dummerweise aber verdammt viel Wichtigeres, so dass sich das Laufen auf 3x Wöchentlich und ca. 40km beschränkt...
markus
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